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„Die Ideologen sitzen im Kreishaus“ - Schulpolitik: Kreis-SPD widerspricht Äußerungen des Landrats

Die Äußerungen des Landrats fordern den Widerspruch Ralf Borngräbers heraus.

Die Äußerungen des Landrats fordern den Widerspruch Ralf Borngräbers heraus.

03. Juni 2010 0 Kommentare

Landkreis Rotenburg. Starken Widerspruch haben Äußerungen des Landrats auf dem Parteitag der Kreis-CDU in Sottrum hervorgerufen. Dort soll Hermann Luttmann das Ringen um Gesamtschulen als „Neuauflage einer längst tot geglaubten Ideologiediskussion“ bezeichnet haben. Dazu Ralf Borngräber: „Es geht nicht um irgendeine alte Diskussion, sondern um eine heute notwendige Ergänzung der schulischen Angebote. Dass die dringend angezeigt ist, hat nicht zuletzt die kreisweite Elternbefragung gezeigt.

Der Landtagsabgeordnete und Kultuspolitiker weist darauf hin, dass es von den Schülerzahlen und der Nachfrage her überhaupt kein Problem wäre, Gesamtschulen in Rotenburg, Zeven und Bremervörde einzurichten. „Dann gingen aber in den Umlandgemeinden die Lichter aus.“
 

Ideologische Politik macht Borngräber daher in der Kreisverwaltung und der hiesigen CDU/FDP-Mehrheit aus. „Statt seinerzeit die sehr problematischen und inzwischen zu Recht ungeliebten gymnasialen Außenstellen einzurichten, hätte man rechtzeitig Gesamtschulen in den Gemeinden gründen müssen. Das wäre nach damaligem Recht möglich gewesen. So hätte man zugleich die Schulstandorte auf dem Land gesichert, dem Elternwillen entsprochen und ein gymnasiales Angebot in der Fläche geschaffen. Dann hätten wir die heutigen Probleme nicht.“
 

Um den Fehler von vor einigen Jahren zu korrigieren, solle sich der Landrat bei seinen Parteifreunden in Hannover für eine Rückkehr zur alten Rechtslage einsetzen, fordert Borngräber. „Die heute geforderte Fünfzügigkeit benachteiligt eindeutig die Menschen im ländlichen Raum.“


Luttmanns Hinweis auf die Pisa-Ergebnisse in Bayern und Baden-Württemberg und deren striktes dreigliedriges Schulsystem überzeugt den SPD-Kreisvorsitzenden nicht. „Diese Bundesländer sind von der Sozialstruktur mit den vermeintlichen Verlieren Bremen, Berlin oder Nordrhein-Westfalen nicht zu vergleichen. Außerdem entscheidet nirgends die soziale Herkunft so stark über den Schulerfolg wie in Bayern und Baden-Württemberg. Das kann doch nicht richtig sein. Und international betrachtet lagen auch diese Länder nur im Mittelfeld. Die wirklichen Gewinner waren Staaten, in denen die Kinder lange gemeinsam gefördert werden. Daran müssen wir uns orientieren.“ Im Übrigen seien fast alle in den vergangenen Jahren ausgezeichneten Schulen Gesamtschulen.


Wie Luttman bekennt sich auch Borngräber zum Gymnasium als einer Schulform. „Aber sie leidet unter viel zu hohen Schülerzahlen. Das liegt doch daran, dass die Eltern ihren Kindern unbedingt eine Schule bieten wollen, die bis zum Abitur führt. Da wären Gesamtschulen eine gleichwertige Alternative und könnten für dringend notwendige Entlastung sorgen. Wer den Gymnasien helfen will, muss für Gesamtschulen eintreten.“
 

Die vom Landrat angestrebte Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen – also ein zweigliedriges Schulsystem – hält Borngräber für rückwärtsgewandt und nicht zielführend. „Die Eltern wollen Schulen, die den Weg bis zum Abitur eröffnen“, erklärt er. Und nur auf solchen Schulen fühlten sich die Jungen und Mädchen nicht als Kinder zweiter Klasse. „Entscheidend wird sein, dass wir nicht mehr aussortieren, sondern fördern, und dass es unter den Schulen keine Rangordnung gibt. Diese Kriterien erfüllen Gesamtschulen. Das Zwei-Säulen-Modell tut es gerade nicht.“
 


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