StartAktuellNachrichtenZu wenig Zeit für zu viel Stoff - Ratsgymnasiasten gegen G8 / Diskussion mit Ralf Borngräber

Zu wenig Zeit für zu viel Stoff - Ratsgymnasiasten gegen G8 / Diskussion mit Ralf Borngräber

Ralf Borngräber hält die Kritik der Schüler für berechtigt.

Ralf Borngräber hält die Kritik der Schüler für berechtigt.

18. Juni 2010 0 Kommentare

Rotenburg. Zu wenig Zeit für Hobbys, zu viel Stoff, schwächere Schüler bleiben auf der Strecke: Das sind die Hauptkritikpunkte der Klasse 9 MN des Ratsgymnasiums am G8. Im Politikunterricht hatten sie eindringliche Briefe an alle hiesigen Landtagsabgeordneten verfasst und auf Veränderungen gedrängt. Ralf Borngräber (SPD) nahm sich zwei Stunden Zeit, um mit den Schülern zu diskutieren.

„Wir haben jeden Tag sieben Stunden. Wer weiter weg wohnt, ist erst um 15.30 Uhr zu Hause. Dann wird gegessen, weil es in der Schule keine Mensa gibt. Danach stehen die Hausarbeiten an. Und an vielen Wochenenden lernen wir für Klausuren“, berichtete eine Schülerin. Solch ein Arbeitspensum leisteten nicht einmal erwachsene Berufstätige. „Diese Konstruktionsfehler sind doch bereits bei Einführung der verkürzten Gymnasialzeit absehbar gewesen“, ergänzte eine Mitschülerin.
 

Dem stimmte Borngräber zu. „Andere Bundesländer haben diese Probleme nicht in der Schärfe wie Niedersachsen. Wer G8 einführt und erst danach Lehrpläne anpasst, erzeugt heftige Probleme für die Schulen." Die Anzahl der freiwilligen Wiederholer in der gymnasialen Oberstufe sei landesweit stark gestiegen. Das sei ein deutlicher Hinweis für notwendige Veränderungen. Auch er sehe dringenden Handlungsbedarf. Die Mehrheit im Land hätten zurzeit aber leider CDU und FDP. Die SPD setze sich für eine flexible Oberstufe ein, bei der sich die Schüler nach zwölf oder 13 Jahren zur Prüfung melden können.
 

Der Abgeordnete lobte die Jugendlichen dafür, dass sie sich in die Politik einmischten. Er empfahl ihnen, das Volksbegehren für gute Schulen zu unterstützen. „Eine der Forderungen ist die Abkehr vom G8.“ Zweitens sollten sie eine Petition an den Landtag richten. „Überspitzt formuliert: Das wäre zwar die 35. in dieser Sache. Aber jedes Mal werden die Regierungsparteien öffentlich mit dem Problem konfrontiert. Und irgendwann werden sie weich.“


Ein weiterer Kritikpunkt ist die Ausstattung des Ratsgymnasiums, das von rund 1.600 Schülern besucht wird. „Wir brauchen dringend eine Turnhalle, mehr Toiletten, einen größere Pausenhalle, Ruheräume und eine Mensa“, so die Betroffenen. Antwort Borngräber: „Dafür wäre der Kreis als Schulträger zuständig. Dass noch nichts geschehen ist, liegt auch daran, dass Niedersachsen die Bundesmittel aus dem Ganztagsschulprogramm fast ausschließlich an Hauptschulen gegeben hat.“


Borngräber bat die Schüler, darauf zu achten, dass entsprechende Anträge des Schulvorstands nicht nur an die Kreisverwaltung gehen, sondern in Kopie auch an die Fraktionen. „Entscheidend ist nämlich der Kreistag. Und da ist es gut, sicher zu stellen, dass die Abgeordneten auch informiert sind.

 

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Der Abgeordnete ermunterte die Schüler, sich weiter einzumischen.


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