Beim Rundgang durch den künftigen OP-Bereich: Ralf Borngräber, Hermann Martin, Lars Klingbeil, Heinz Kölking, Olaf Lies und Stefan Schostok (von links).
10. August 2010
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Rotenburg. Medizinische Versorgungszentren, Arzt- und Pflegekräftemangelund natürlich die gewaltigen Umbauten: Darüber sprachen SPD-Landesparteichef Olaf Lies und Stefan Schostok, neuer Vorsitzender der Landtagsfraktion der Sozialdemokraten, jetzt mit Heinz Kölking, Geschäftsführer des Rotenburger Diakoniekrankenhauses. Begleitet wurden sie durch die örtlichen Bundes- und Landtagsabgeordneten Lars Klingbeil und Ralf Borngräber sowie Vertreter aus dem Stadtrat und dem Kreistag.
Olaf Lies (links) im Gespräch mit Gert-Peter Schaper, technischer Leiter des Krankenhauses.
Das Diakoniekrankenhaus hat in mehreren Orten Praxen gekauft, für die sich kein Nachfolger mehr fand, und mit angestellten Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen besetzt. Die tragen dann kein wirtschaftliches Risiko und können auf Wunsch auch in Teilzeit arbeiten. Ein Anliegen, das besonders häufig junge Ärztinnen mit Familie haben – und 70 Prozent aller Medizinstudierenden sind weiblich. Olaf Lies: „Das ist ein attraktives Modell und könnte ein Weg sein, dem befürchteten Ärztemangel auf dem Land zu begegnen.“ Er und Schostok vereinbarten mit Kölking, über die Erfahrungen mit diesem Konzept im Austausch zu bleiben.
Der Geschäftsführer berichtete, dass es selbst für große Krankenhäuser wie das in Rotenburg immer schwerer werde, hochqualifizierte Spezialisten zu gewinnen. Ein Grund: der für viele eher unattraktive ländliche Raum. „Wer sich dann aber hier mal umgeschaut hat, lässt sich oft doch überzeugen“, sagte er. Das liege zum einen an der Qualität der Kliniken, zum anderen aber auch daran, dass das Haus immer familienfreundlicher werde. Zwei von vielen Stichworten: Gerade wird ein gemeinsamer Mittagstisch für die Mitarbeiter und deren Kinder. Und die Öffnungszeiten des angeschlossenen Kindergartens werden den Arbeitszeiten der Eltern angepasst.
Die drei aus dem Landtag: Olaf Lies, Ralf Borngräber und Stefan Schostok (von links).
Geschäftsführer Heinz Kölking und Techniker Gert-Peter Schaper beantworten Olaf Lies (von links) seine Nachfagen zum Umbau.
Sorge bereitet Kölking nicht nur der Engpass bei den Ärzten, sondern auch die Zukunft der Pflegeberufe: „Wenn immer weiter rationalisiert wird und damit immer weniger Zeit bleibt, auf den einzelnen Patienten als Menschen einzugehen, wird es irgendwann niemanden mehr geben, der diesen Beruf ergreift“, warnte er.
Beim Rundgang zeigten sich Schostok und Lies vom im Bau befindlichen komplett neuen OP-Bereich beeindruckt. „Von den Funktionen her haben wir demnächst ein vollkommen neues Krankenhaus“, erläuterte Kölking. Weil heute nicht mehr nach Aufwand, sondern pauschal nach Krankheitsbildern abgerechnet werde, sei es auch wirtschaftlich geboten, „in kurzer Zeit und mit hoher Qualität zu behandeln.“ Dafür schüfen die neuen Räume die besten Voraussetzungen. Insgesamt investiert das Diakoniekrankenhaus 50 Millionen Euro, davon 30 Millionen aus Fördertöpfen.
Mitarbeitervertreter Ed Drijsen lobte im vertraulichen Gespräch mit den Abgeordneten, dass die Ärzte und Pflegekräfte in die Bauplanungen von Anfang an einbezogen wurden. Er berichtete aber auch, dass wegen des Kostendrucks freie Stellen manchmal nicht wieder besetzt und so die Belastungen immer höher würden. Folge: ein hoher Krankenstand und der häufige Wunsch, die eigene Stelle trotz finanzieller Einbußen zu reduzieren.
„Wer 35 Jahre hier ist, kann nicht mehr in drei Schichten acht Stunden am Tag arbeiten“, erläuterte Drijsens Stellvertreterin Ulrike Bömeke. Sie kritisierte, dass Altersteilzeit generell nicht mehr gefördert werde. Schostok und Lies sehen das Problem ebenfalls und kündigten an, sich für eine Gesetzesänderung einzusetzen.
Die Krankenhausmanager Heinz Kölking (Zweiter von rechts) und Gert-Peter Schaper (Zweiter von links) erläutern den SPD-Politikern Olaf Lies, Lars Klingbeil, Stefan Schostok, Hermann Martin und Ralf Borngräber den künftigen OP-Bereich (Übrige von links).
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