StartDie Kopiervorlagen liegen bereit – Ein Kommentar zur Schulpolitik

Die Kopiervorlagen liegen bereit – Ein Kommentar zur Schulpolitik

In vielen Diskussionen streitet Ralf Borngräber für eine Schulpolitik, die den Kindern und den Vorstellungen der Eltern und der Gemeinden gerecht wird.

In vielen Diskussionen streitet Ralf Borngräber für eine Schulpolitik, die den Kindern und den Vorstellungen der Eltern und der Gemeinden gerecht wird.

04. September 2010 0 Kommentare

Wer konstruktive Politik in der Opposition betreibt, macht Vorschläge, wie es besser laufen könnte, liebe Leserinnen und Leser. Das hat die SPD-Fraktion im Landtag in den vergangenen Jahren getan. Zum Beispiel in Bezug auf die Schulen. Für unsere Konzepte haben wir viel Beifall von Eltern, Lehrern und aus den Städten und Gemeinden erhalten. Es ist an der Zeit, dass CDU und FDP dem Druck dieser breiten Koalition der Vernünftigen nachgeben.

Denken wir zurück. Sofort nach der Regierungsübernahme 2003 hat Schwarz-Gelb in Hannover neue Gesamtschulen verboten. Nur weil Christian Wulff dann 2008 eine Wahlniederlage befürchten musste, hat er kurz vorher eine Lockerung dieses Verbots angekündigt – um dann aber nach der Wahl zum Beispiel mit der Fünfzügigkeit so hohe Hürden zu errichten, dass die Gründung dieser von vielen Eltern und Gemeinden gewollten Schulen auf dem Land fast immer unmöglich geblieben ist.


Die SPD tritt seit vielen Jahren dafür ein, der Wirklichkeit im ländlichen Raum Rechnung zu tragen und auch kleinere Gesamtschulen zuzulassen. Zum Wohle übrigens nicht nur der Kinder und der um ihre Schulen fürchtenden Kommunen, sondern auch der überlasteten Gymnasien. Jetzt deutet sich endlich an, dass der Kultusminister auf diese Linie einschwenkt.


Dabei allein darf es aber nicht bleiben. Die übereilte Einführung des Turboabiturs sogar an Gesamtschulen bedeutet unnötigen Stress für Schüler und Lehrer und gehört korrigiert. Eine der Folgen ist übrigens, dass schon sehr früh getrennt unterrichtet werden muss – in Gesamtschulen absurd, ein Widerspruch in sich. Wir fordern: Eltern und Kinder müssen die Wahl haben, ob sie die Prüfung nach zwölf oder 13 Jahren ablegen.


Weiter: Ganztagsschulen sind gut. Aber sie müssen viel besser ausgestattet werden, damit die Kinder mehr profitieren – mit nachmittäglichem Unterricht, Förderangeboten, Freizeitaktivitäten und gutem Mittagessen. Die Landesregierung versucht hingegen noch immer, sich mit billigen Lightversionen aus der Affäre zu ziehen – mit zu wenig Lehrkräften, ohne Geld für Hausaufgabenhilfe und ohne Schulsozialarbeit.


A propos Schulsozialarbeit - immer mehr Kinder kommen aus problematischen Verhältnissen. An allen Schulen. Das sagt jeder Praktiker. Deshalb muss Sozialarbeit Teil jeder guten Schule sein. Dieses Angebot wie die Landesregierung vor allem auf die ohnehin sterbenden Hauptschulen zu beschränken (und dann auch noch von den Gemeinden bezahlen zu lassen), wird dem Schulalltag nicht mehr gerecht.


Durch zurückgehende Schülerzahlen wird Geld frei. Das muss in die Schulen investiert werden – zum Beispiel, damit die Klassen endlich kleiner werden.


Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser: Der Weg hin zu besseren Schulen ist weit. Aber die Richtung ist schon lange klar. Gemeinsam mit den Eltern und vielen Lehrern, Initiativen und Politikern aus unseren Städten und Gemeinden freuen wir uns, wenn die Landesregierung endlich aufbricht. Dabei können unsere Konzepte gut als Vorlage dienen. „Eine gute Kopie ehrt den Meister“, sagen die Chinesen. Und den Lehrling auch. Hoffen wir also, dass eine gute Kopie herauskommt. Denn nur mit guten Schulen werden wir die Zukunft gewinnen.


Ihr

Ralf Borngräber
 


Bildung und QualifikationDemografischer WandelKommunalpolitikNiedersachsen

 

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